Was ist Osteopathie?
Mein Verständnis von Osteopathie
Osteopathie ist eine ganzheitliche Therapieform, die alle Systeme des Körpers in ihrer Diagnostik und Behandlung einbezieht, da sie den Menschen als eine Einheit versteht.
Es wird eine umfassende Anamnese erhoben. Anschließend wird mit den geschulten und erfahrenen Händen des Behandlers und darüber hinaus mit allen Sinnen ertastet und erspürt, wie das zu behandelnde System in seiner Genesung und Linderung von Beschwerden unterstützt werden kann.
Im Fokus der Osteopathie liegt der Blick auf das Potenzial der Gesundheit.
Es kann sowohl lokal, als auch global gearbeitet werden, um die eigene Fähigkeit des Körpers, sich selbst zu regulieren und zu heilen anzuregen und eine gute Versorgung im Innern zu fördern.
Dabei fließt Wissen über die menschliche Anatomie und Physiologie ein, welches erlaubt, die Zusammenhänge von Dysfunktionen, Spannungen im Gewebe und den auftretenden Beschwerden besser verstehen zu können.
Im Osteopathischen Verständnis des Menschen spielt Bewegung als Grundausdruck des Lebens eine zentrale Rolle. Für die Erhaltung und Wiederherstellung von Gesundheit ist ein harmonisches Verhältnis von Struktur und Funktion in Bewegung unverzichtbar.
Auch feinere Aspekte wie Emotionen können in der Behandlung einbezogen werden. Jede Behandlung wird nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten abgestimmt und ist ein gemeinsames Wirken von Therapeut und Patient.
Das therapeutische Spektrum umfasst verschiedene Herangehensweisen.
Häufig kann die Anpassung und Behebung der Dysfunktionen sanft vorgenommen werden.
„Die Antwort liegt im Patienten, wenn wir zuhören. Wir wollen lernen zurückzutreten und herauszufinden, was der Patient mitteilt.“
Viola M. Fryman
Die gesammelten Schriften von Viola M. Fryman, JOLANDOS Verlag 2007
Osteopathie lässt sich in drei Anwendungsbereiche untergliedern.
Diese Einteilung dient jedoch mehr dem Verständnis.
In der Arbeit mit dem lebendigen Menschen werden die verschiedenen Bereiche integriert.
Parietale
Osteopathie
befasst sich mit allen Anteilen des Bewegungsapparates
Viszerale
Osteopathie
ist auf die Behandlung der inneren Organe fokussiert
Craniosacrale Osteopathie
beinhaltet die Behandlung des Kopfes und aller nervalen Strukturen des Zentralen Nervensystems und seiner direkten Umgebung

Osteopathische Grundprinzipien
Die Philosphie der Osteopathie und die aus ihr abgeleiteten Behandlungskonzepte sind an wichtigen Grundprinzipien ausgerichtet.
Diese wurden ursprünglich von dem in den USA lebenden “Entdecker” der Osteopathie Andrew Taylor Still (1828-1917) im 19. Jahrhundert erstmals formuliert und sind bis heute wie ein roter Faden in die praktische Therapie eingewebt. Spätere Erweiterungen von Stills Nachfolgern wie William Garner Sutherland, Rollin Becker und Viola Fryman sind ebenfalls in dieses Fundament gebettet und leben heute durch die Arbeit der Osteopathen & Osteopathinnen und Student-innen weltweit weiter.
„Die therapeutische Kraft kommt aus dem Patienten. Daher ist es unsere Pflicht, uns in die therapeutische Kraft im Patienten einzustimmen, alle möglichen Hindernisse ihrer freien Operation zu beseitigen und dann mit ihr zu arbeiten.“
Viola M. Fryman
Die gesammelten Schriften von Viola M. Fryman, JOLANDOS Verlag 2007
„Die Osteopathie beruht auf der Vollkommenheit der Arbeit der Natur. Wenn alle Teile des menschlichen Körpers wohl geordnet sind, besteht Gesundheit.“
Andrew Taylor Still
Das große Stillkompedium, JOLANDOS Verlag 2013
Die wichtigsten Grundannahmen der Osteopathie zusammengefasst:
Bewegung in all ihren Facetten ist die grundlegende Ausdrucks- & Manifestationsform jeglichen Lebens und somit gilt die Freiheit der Bewegung als ungehinderte Gesundheit.
Betrachtung des lebendigen Organismus als Einheit und Kreislaufsystem, dessen Einzelteile zusammenwirken und gegenseitigen Einfluss aufeinander nehmen - über lokale Grenzen hinaus.
Von der Priorität der arteriellen Ernährung des Gewebes, sowie der flüssigen Abfuhr nicht mehr benötigter Stoffe bis hin zu nervalen Kommunikation und faszialen Anpassung von Spannung arbeitet alles im Körper gemeinsam.Eine wechselseitige Beziehung von physischer Struktur und ihren Funktionen. Wie es geformt ist, so funktioniert es und es funktioniert so, wie es geformt ist. Form und Funktionen können angepasst und verändert werden.

Osteopathische Kurzhistorie
Aus dem Kontext des US-amerikanischen Bürgerkriegs des 19. Jahrhunderts zwischen den nord- und Südstaaten des Landes und einer sehr einfachen Medizin zu Versorgung der Menschen heraus entwickelte Dr. Still den Wunsch, eine andere Form der Medizin zu praktizieren.
Er vertrat die radikale Annahme, dass alles, was wir zur Heilung benötigen bereits in uns vorhanden sei und wir daher auch keine Medikamente von außen bräuchten. Vielleicht würde er dies heute etwas anders betrachten, denn es gibt ja auch sehr schonende und wirksame Phytotherapeutika, aber dies zeigt, wie sehr Andrew Taylor Still in die inhärenten Heilungskräfte des Menschen vertraute; auch sein Gottvertrauen war sehr groß.
Still entstammte einer Kindheit in einer Siedlerfamilie, Sohn eines Wanderpredigers, der neben Seelsorge auch Knochen einrenkte und medizinische Grundversorgung in seinen Gemeinden leistete. Gleichzeitig betrieben die Siedlerfamilien Landwirtschaft. Still erlernte Vieles im Selbststudium und entwickelte auf Basis seiner gesammelten Erfahrungen die Osteopathischen Grundprinzipien, die er erfolgreich anwandte. Er gründete in Kirksville die erste Osteopathieschule, die sowohl von Frauen, als auch Männern besucht wurde und erwirkte eine Anerkennung der Osteopathen als arztgleichem Status. Bis heute ist dies in den USA erhalten geblieben und Viele folgten seinem Weg, sodass die Osteopathie durch ihre Weiterentwicklung hindurch ihren Kern erhalten konnte.